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Abfluss verstopft in der Mietwohnung: So klären Sie, wer die Reinigung bezahlt

Lukas

Ein verstopfter Abfluss in der Mietwohnung ist mehr als nur lästig: Wasser staut sich, Gerüche entstehen und schnell steht die Frage im Raum, wer die Rechnung für die Reinigung übernimmt. Ob Mieter oder Vermieter zahlen muss, hängt oft davon ab, wodurch die Verstopfung entstanden ist, wie die Leitungen gewartet wurden und was sich nachweisen lässt. Mit einem strukturierten Vorgehen können Sie Schäden begrenzen, Belege sichern und die Kostenfrage fair und nachvollziehbar klären.

Grundsätzlich gilt in vielen Fällen: Der Vermieter trägt die Kosten für Instandhaltung und Instandsetzung der Leitungen, der Mieter hingegen für Schäden, die durch unsachgemäße Nutzung entstehen. In der Praxis ist die Abgrenzung nicht immer eindeutig. Typische Streitpunkte sind wiederkehrende Verstopfungen, Fremdkörper im Rohr, veraltete Leitungen oder der Umfang einer Reinigung (z. B. einfache Siphonreinigung vs. professionelle Rohrreinigung mit Spirale oder Hochdruck).

Wichtig: Dieser Beitrag bietet Orientierung für die Kommunikation und das Vorgehen im Alltag, ersetzt aber keine Rechtsberatung. Wenn es um größere Summen oder wiederkehrende Schäden geht, lohnt sich eine rechtliche Einschätzung (z. B. Mieterverein).

Symptome & Ursachen: Was deutet worauf hin?

  • Wasser läuft langsam ab – oft beginnende Ablagerungen aus Fett, Seifenresten, Haaren oder Kalk im Siphon oder in der Anschlussleitung.
  • Gluckernde Geräusche – häufig Luftstau durch Teilverstopfung; möglich auch ein Problem mit der Entlüftung/Strangbelüftung im Haus.
  • Übler Geruch aus dem Abfluss – Biofilm, Fettablagerungen, selten ausgetrockneter Geruchsverschluss (Siphon) oder Rückstau aus dem Fallrohr.
  • Mehrere Abflüsse betroffen (Küche + Bad) – Hinweis auf Verstopfung in der Hauptleitung/Fallstrang; eher Vermieter-/Objektbereich.
  • Rückstau in Dusche/Badewanne beim Spülen der Toilette – typisches Zeichen für eine tiefer sitzende Blockade im Strang; hier steigt das Schadenrisiko schnell.
  • Plötzliche Komplettverstopfung nach bestimmten Ereignissen – möglich sind Fremdkörper (Feuchttücher, Katzenstreu, Hygieneartikel) oder Küchenfett „erstarrt“ nach dem Abkühlen.
  • Wiederkehrende Verstopfung trotz Reinigung – oft bauliche Ursache (zu geringes Gefälle, Rohrversatz, Wurzeleinwuchs, alte Gussleitungen) oder eine Engstelle im System.

Troubleshooting: Schritt-für-Schritt-Checkliste (mit Stoppsignal für Profis)

  1. Schaden begrenzen und dokumentieren
    Stellen Sie Eimer/Handtücher bereit, stoppen Sie die Wasserzufuhr am Eckventil (falls nötig) und machen Sie Fotos/Videos vom Rückstau, betroffenen Stellen und eventuellen Wasserschäden. Stoppsignal: Wenn Wasser austritt, in Wände/Böden läuft oder Nachbarn betroffen sein könnten, sofort Hausverwaltung/Vermieter und ggf. einen Notdienst kontaktieren.
  2. Prüfen: Betrifft es nur einen Ablauf?
    Testen Sie nacheinander Küche, Waschbecken, Dusche/Badewanne. Je mehr Abflüsse betroffen sind, desto eher liegt das Problem im Fallstrang oder der Hauptleitung. Stoppsignal: Bei mehreren betroffenen Abflüssen nicht weiter „herumprobieren“, sondern Vermieter/Hausverwaltung informieren – falsche Maßnahmen können Rückstau verschlimmern.
  3. Siphon reinigen (nur, wenn zugänglich)
    Legen Sie ein Tuch unter, lösen Sie den Siphon, entfernen Sie Ablagerungen und spülen Sie ihn. Das ist oft die schnellste Lösung bei Waschbeckenproblemen. Stoppsignal: Wenn Leitungen festkorrodiert sind, Dichtungen brüchig wirken oder Sie unsicher sind: abbrechen und Fachbetrieb beauftragen, um Folgeschäden zu vermeiden.
  4. Mechanisch lösen: Pömpel/Plunger statt Chemie
    Bei leichten Verstopfungen hilft Unterdruck, insbesondere im Bad. Achten Sie auf ausreichend Wasser im Becken, damit der Pömpel „greift“. Stoppsignal: Wenn der Abfluss danach schlechter wird oder Wasser zurückdrückt, kann die Blockade tiefer sitzen – dann Vermieter informieren und Profis ranlassen.
  5. Abflussspirale nur für kurze Strecken und mit Gefühl
    Eine Handspirale kann Haare/Seifenreste aus nahegelegenen Leitungsabschnitten holen. Arbeiten Sie langsam, ohne Gewalt. Stoppsignal: Bei Widerstand nicht „durchdrücken“ – das kann Rohre beschädigen oder Dichtungen lösen. Bei Altbau/Gussleitungen besonders vorsichtig sein.
  6. Keine Experimente mit aggressiven Rohrreinigern
    Stark ätzende Mittel können Leitungen, Dichtungen und Ihre Gesundheit gefährden – und erschweren später die Arbeit des Fachbetriebs. Stoppsignal: Wenn Sie bereits Chemie eingesetzt haben, informieren Sie den Profi darüber (Sicherheitsaspekt!).
  7. Vermieter/Hausverwaltung frühzeitig informieren
    Melden Sie den Mangel schriftlich (kurz, sachlich, mit Fotos) und bitten Sie um Freigabe/Beauftragung eines Fachbetriebs. Das schafft Klarheit zur Kostentragung. Stoppsignal: Ohne Freigabe sollten Sie bei unklarer Ursache keine teuren Maßnahmen beauftragen – außer bei akuter Gefahr (z. B. Überlauf).
  8. Fachbetrieb beauftragen, wenn die Ursache unklar oder tieferliegend ist
    Eine professionelle Rohrreinigung kann mit geeigneter Technik (Spirale, ggf. Kameraprüfung) die Ursache nachweisen. Das ist oft entscheidend für die Kostenfrage, weil ein Bericht Hinweise liefert (Fremdkörper vs. Rohrschaden/Engstelle). Stoppsignal: Spätestens bei Rückstau, mehreren betroffenen Abflüssen, wiederkehrenden Problemen oder Wasserschäden sollte ein Profi übernehmen.

Entscheidungsbaum: Wer zahlt typischerweise – Mieter oder Vermieter?

  • Ist nur ein einzelner Ablauf betroffen (z. B. Waschbecken) und es findet sich „typischer Haushalts-Schmutz“ im Siphon?
    • Ja: Häufig Kleinmaßnahme im Verantwortungsbereich des Mieters (Reinigung im Rahmen der normalen Nutzung). Wenn eine Kleinreparaturklausel greift, kann das auch formal relevant sein.
    • Nein / Ursache sitzt tiefer: Weiter prüfen – es kann in den Leitungen des Gebäudes liegen.
  • Sind mehrere Abflüsse betroffen oder gibt es Rückstau aus dem Strang?
    • Ja: Oft spricht vieles für den Vermieter (Instandhaltung des Rohrsystems im Gebäude). Meldung und Beauftragung möglichst über Vermieter/Hausverwaltung.
    • Nein: Wenn nur ein Anschluss betroffen ist, bleibt eine nutzungsbedingte Ursache wahrscheinlicher.
  • Gibt es Hinweise auf unsachgemäße Nutzung (z. B. Feuchttücher, Hygieneartikel, Fett/Öl in großen Mengen)?
    • Ja: Häufig Mieterhaftung bzw. Kostenweitergabe möglich, wenn nachweisbar. Ein Arbeitsbericht mit Fund (z. B. Fremdkörper) ist hier besonders wichtig.
    • Nein: Ohne Nachweis einer Fehlbenutzung ist eher der bauliche Zustand/Unterhalt zu prüfen.
  • Treten Verstopfungen wiederholt auf oder gibt es Hinweise auf Rohrmängel (Gefälle, Versatz, alte Leitung)?
    • Ja: Häufig Instandsetzungsthema (Vermieter). Eine Rohrinspektion kann die technische Ursache dokumentieren.
    • Nein: Einmalige, lokale Verstopfung ist eher nutzungsnah zu klären.

Tipp für die Praxis: Bitten Sie den Dienstleister um einen kurzen, verständlichen Nachweis (z. B. „Ablagerungen/Fett“, „Fremdkörper“, „Rohrversatz“). Solche Formulierungen helfen, die Kosten sauber zuzuordnen und Diskussionen zu vermeiden. Das ist auch eine gute Basis, um intern auf Leistungen wie Abflussreinigung, Rohrinspektion oder Rohrreinigung vom Fachbetrieb zu verlinken.

Sicherheitshinweise: Do’s & Don’ts

  • Do: Handschuhe und bei Spritzgefahr Schutzbrille tragen – Abwasser kann Keime enthalten.
  • Do: Bei Arbeiten unter Spüle/Waschbecken einen Eimer bereitstellen und den Bereich abdecken.
  • Do: Chemische Mittel, falls überhaupt, nur gemäß Anleitung und nie mischen (Gefahr giftiger Gase).
  • Don’t: Keine Gewalt mit Spiralen oder „Druckluft-Pistolen“ – das kann Rohrverbindungen lösen und Wasserschäden verursachen.
  • Don’t: Bei Rückstau nicht weiter Wasser laufen lassen oder spülen – Überlauf- und Schimmelschadenrisiko.
  • Don’t: Bei bereits eingesetzter Chemie nicht ohne Hinweis einen Profi arbeiten lassen – Verbrennungsgefahr.
  • Don’t: Elektrische Geräte (z. B. Boiler/Untertischgerät) im Spritzbereich nicht mit nassen Händen berühren; im Zweifel Sicherung ausschalten.

Wenn Sie am Ende einen Fachbetrieb benötigen: Fragen Sie vorab nach transparenter Preisstruktur, Anfahrt/Notdienstzuschlägen und ob bei Bedarf eine Kameraprüfung möglich ist. Je klarer die Ursache dokumentiert ist, desto einfacher lässt sich klären, wer zahlt – und ob es sich um normale Nutzung oder um eine Instandhaltungsmaßnahme handelt.

Und noch ein praktischer Hinweis zur Prävention: Fett und Öl gehören nicht in den Ausguss, Siebe fangen Haare und Speisereste ab, und heißes Wasser plus etwas Spülmittel nach stark fetthaltigem Kochen reduziert Ablagerungen. Wenn Sie dennoch regelmäßig Probleme haben, kann es sinnvoll sein, die Leitungen professionell prüfen zu lassen, statt immer wieder selbst zu versuchen, die Rohre reinigen zu müssen.

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